Knie - Knorpelschaden

Der Gelenknorpel ist eine ca 5-6 mm dicke Gewebeschicht, welche die beweglichen Knochenenden in allen Gelenken überzieht. Der Knorpel ist zum einen elastisch und zum anderen äußerst glatt, um die Reibung im Gelenk herabzusetzen und mechanische Stöße abzufangen.

Durch einen Unfall, durch Verschleiß oder Entzündung kann es zu einer Schädigung des Gelenkknorpels kommen. Für die Betroffenen haben die Gelenkschäden unterschiedliche Folgen. In Abhängigkeit von Art und Größe der Verletzung und –dem meist altersabhängigen – Gesamtzustand des Gelenks kommt es zu belastungsabhängigen Schmerzen und Reizzuständen, die im Laufe der Zeit zu Arthrose und Gelenkzerstörung führen.


Symptome

Gelenkknorpelschaden kann folgende Beschwerden verursachen:
  • Schmerzen bei Belastung
  • Schmerzen in Ruhe
  • Erguss im Knie
  • Schwellung
  • Blockaden
  • Achsfehlstellung im Knie


OP-Methoden


Die Therapie der Knorpelschäden richtet sich nach der Ursache und Schwere der Erkrankung. Mit Hilfe der Arthroskopie lässt sich der Knorpelschaden genau beurteilen und in passenden Fällen mit speziellen Mikroinstrumenten auch behandeln.

Folgende operative Möglichkeiten stehen bei einem Knorpelschaden zur Verfügung:
  • Knorpelglättung
  • Knochenmark-stimulierende Maßnahmen (Mikrofrakturierung/ Abrasion)
  • Knorpel-Knochen-Transplantation
  • Knorpelzell-Transplantation

Knorpelglättung
Die einfachste und schnellste Methode zur Behandlung des Knorpelschaden ist die arthroskopische Gelenksäuberung und Glättung des Restknorpels. Da der Gelenkknorpel bei dieser Methode nicht regenerieren kann, kommt sie nur bei bereits ausgedehnten Gelenkschäden – also bei ausgeprägter Arthrose – in Frage.

Die Wirkung dieser Therapie ist begrenzt und wird hauptsächlich bei älteren Patienten oder als letzte Maßnahme vor der Implantation eines künstlichen Gelenks durchgeführt. Die Operation hat allerdings den Vorteil, dass die Patienten innerhalb von wenigen Tagen das operierte Kniegelenk wieder belasten können.

Knochenmark-stimulierende Maßnahmen

Das Knorpelgewebe ist nicht durchblutet und kann somit von alleine nicht regenerieren oder heilen. Bei komplett fehlendem Knorpel – also einem Knochenglatzen-Bezirk - kann eine Stimulierung der körpereigenen Knorpelreparation versucht werden.

Dabei wird die unter dem defekten Knorpel liegende Knochenschicht durchbohrt (Pridie-Bohrung), durchstoßen (Mikrofrakturierung) oder abgetragen (Abrasion). Dadurch kommt es zur Einblutung und Einwanderung von Knochenmark-Stammzellen in den geschädigten Knorpelbezirk, welche sich dort zu faserigem Ersatzknorpel entwickeln. Der Faserknorpel ist zwar nicht so belastungsfähig wie der Originalknorpel (hyaliner Knorpel), ist aber immer noch besser, als ein komplett blank liegender Knochen.

Diese Methode hat den großen Vorteil, dass sie komplett arthroskopisch erfolgt. Sie wird hauptsächlich entweder bei kleinen Defekten ( 4 cm²) bei älteren Personen durchgeführt.

Knorpel-Knochen-Transplantation

Bei jungen oder aktiven Personen mit Knorpeldefekten mittlerer Größe (bis zu 3 cm²) wird bei entsprechenden Beschwerden eine Knorpel-Knochen-Transplantation durchgeführt. Dabei wird der defekte Knorpel in der Belastungszone mit dem darunter liegenden Knochen mit speziellen Zylinderstanzen herausgenommen und mit eigenen Knorpel-Knochen-Zylindern aus den (weniger belasteten) Randbezirken des Kniegelenks ersetzt.

Der große Vorteil dieser Methode ist, dass eigener funktionsfähiger (hyaliner) Gelenkknorpel transplantiert wird und die Zylinder über die Knochenheilung gut integriert werden. Auch der Kostenaufwand hält sich in Grenzen.

Der Nachteil ist, dass durch die Entnahme des eigenen Gewebes Defekte in den Randbezirken des Kniegelenks entstehen, auch wenn bisher keine großen Beeinträchtigungen beschrieben sind. Operation ist nur für kleine Defekte sinnvoll arthroskopisch durchführbar.

Knorpelzell-Transplantation

Bei größeren Knorpeldefekten (ab 3 cm²) wird bei jungen und aktiven Personen die Knorpelzell-Transplantation durchgeführt.

Im ersten, arthroskopischen Operationsschritt wird eine kleine Knorpelbiopsie entnommen und in ein Speziallabor gegen Entgelt zur Züchtung und Vermehrung der Knorpelzellen eingeschickt. Vier bis 6 Wochen später wird die Knorpelzell-Kultur des Patienten zurückgeschickt und in einer zweiten Operation in den Knorpeldefekt zurückverpflanzt. Innerhalb von Jahren bildet sich an dieser Stelle eine neue Knorpelstruktur, die dem Originalknorpel ähnelt.

Die Kosten für die Zell-Züchtung sind jedoch relativ hoch (3.000,- bis 6.000,- €) und werden bisher nur von wenigen Krankenkassen übernommen. Die Operation - früher nur in offener Technik möglich – ist heute in einer bei uns verwendete Spezialtechnik auch arthroskopisch durchführbar.


Nachbehandlung


Nach der alleineigen Knorpelglättung ist eine zügige Rehabilitation ohne längere Entlastung (1-2 Wochen) ohne Einschränkung der Beweglichkeit möglich. Nach den knochenmark-stimulierenden Maßnahmen oder Transplantationen ist eine komplette 4-wöchige Entlastung, gefolgt mit 2-wöchiger Teilbelastung (ca 15 kg) an Gehstützen notwendig.

Unterstützt wird die Rehabilitation durch die Anwendung (4 Wochen) einer Motorschiene (CPM) und eines Muskelstimulationsgerätes (EMS). Mit folgenden Arbeitsausfallszeiten muss gerechnet werden: 2 Monate für einen sitzenden und 3 Monaten für einen stehenden Beruf.

Medikamentöse Unterstützung:

Die Knorpelregeneration sollte jedenfalls mit knorpelaufbauenden Präparaten kompletiert werden. Empfohlen werden 3-5 Injektionen mit Hyaluronsäure und orale Aufnahme von Glykosaminoglykanen als Dauertherapie. Bewährt hat sich z.B. das Präparat KnorpelPlus (Nutritect), das aus verschiedenen Bausteinen des Knorpels (Haifisch), Vitamin E und Selen besteht und hervorragende Patienten-Akzeptanz genießt.