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| Künstliche Sprunggelenke: Die Alternative zur Versteifung
(verfasst am 16.11.2008)
Kongress Sprunggelenks-Endoprothetik in Rosenheim Rosenheim 15. November 2008 – Der Freizeit- und Fitnessboom und die rasant steigende Zahl von Verletzungen in Deutschland sorgen in der Orthopädie für neue Herausforderungen und Entwicklungen. So steigt die Zahl der Endoprothesen am Oberen Sprunggelenk weiter an. Im Jahr 1992 wurden in Deutschland rund 400 künstliche Sprunggelenke implantiert, im vergangenen Jahr waren es bereits 1.800. Fachleute schätzen den Bedarf auf bis zu 6.000 Gelenke im Jahr. Über den Stand der Technik diskutierten am 15. November rund 100 Ärzte aus Deutschland, der Schweiz und Österreich auf einem Fachkongress in Rosenheim. „In den letzten fünf Jahren sind zahlreiche neue Prothesen entwickelt worden, die für Patienten erhebliche Vorteile haben“, erläuterte der Veranstalter und Leitende Arzt der Orthopädie Harthausen Dr. Stefan Schill.
„Dank dieser neuen Prothesen kommen viele Patienten um eine Versteifung des Sprunggelenks herum.“ Nach schweren Verletzungen kommt es oft zu einer Gelenksarthrose. Die Patienten haben Schmerzen beim Auftreten, das Gehen fällt schwer, und an Sport ist gar nicht zu denken. Jede Drehung des Gelenks am Knöchel tut weh. Diese Probleme haben auch viele Rheumapatienten. In früheren Zeiten half hier oftmals nur eine Versteifung des Gelenks. Doch dieser Eingriff ist nicht immer erfolgreich. „Diese Methode hat auch viele Nachteile“, so Schill. „Für den Patienten bedeutet sie eine sehr lange Rekonvaleszenzzeit, die bis zu acht Monate dauern kann, außerdem besteht langfristig eine Überlastung der Nachbargelenke.“ Schill ist Mitglied der bundesweiten Arbeitsgemeinschaft Rheumaorthopädie. Da es bis vor wenigen Jahren keine zufrieden stellende Lösung für Sprunggelenksprothesen gab, schloss sich der Orthopäde mit Prof. Dr. Stefan Rehart aus Frankfurt und Prof. Dr. Bernd Fink aus Mark Gröningen zusammen, um eine neuartige Prothese zu entwickeln. Heraus kam die so genannte „TARIC© „-Prothese. Sie besteht aus drei Komponenten. Die beiden Gelenkpartner - Sprungbein und Unterschenkel mit der Knöchelgabel - werden mit Metallflächen überkront, dazwischen setzen die Orthopäden einen Kunststoffgleitkern ein. Die Prothesen werden zementfrei implantiert. Für die exakte Positionierung und Spannung der Bänder am Sprunggelenk entwickelten die Ärzte eigene Instrumente. Sollte eine Auswechslung der Prothesen nach einigen Jahren nötig sein, stehen dafür Wechselimplantate zur Verfügung. Die Erfahrungen mit der neuen Prothese sind sehr gut. In einer ersten Studie untersuchten die am Projekt beteiligten Ärzte die Ergebnisse von 25 Patienten. In einem Zeitraum von sechs bis 18 Monaten nach der Operation ermittelten sie unter anderem, ob die Patienten noch Schmerzen haben, wie gut die Beweglichkeit ist und ob die Prothesen stabil im Gelenk sind. „23 von 25 Patienten waren völlig schmerzfrei“, erläuterte Schill. „Lediglich zwei Patienten klagten über leichte Anlaufschmerzen.“ Die operierten Sprunggelenke erreichten einen Bewegungsgewinn von 11 Grad, womit wieder eine weitgehend normale Beweglichkeit erreicht wurde. Die Röntgenkontrolle zeigte, dass alle Sprunggelenksprothesen stabil waren. „Wir sind deshalb für die Zukunft optimistisch“, betonte Schill abschließend. „Unsere Patienten können, nach einer gut implantierten Prothese, über acht bis zehn Jahre mit einer schmerzfreien Funktion des operierten Sprunggelenks rechnen.“ Die Weiterentwicklung der TARIC©-Prothese ist von großer Bedeutung, da die Arthrose des Sprunggelenks durch den Freizeit- und Fitnessboom und den damit verbundenen Verletzungen insgesamt zunehmen wird.
Prof. Dr. Stefan Rehart (links) und Dr. Stefan Schill |