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Das künstliche Sprunggelenk Für Patienten mit schmerzhaft zerstörten Sprunggelenken ist das Kunstgelenk heute eine ernstzunehmende Alternative zu gelenkversteifenden Operationen. Voraussetzung dafür ist, dass der Zustand der Knochen und Weichteile ein künstliches Gelenk zulässt. Die Gelenkversteifung wird zwar weiterhin in den orthopädisch-chirurgischen Lehrbüchern als Methode der Wahl empfohlen, doch dieses Operationsverfahren ist keinesfalls immer erfolgreich. Zahlreiche Studien belegen, dass im mittelfristigen Verlauf mit erheblichen Problemen zu rechnen ist. Für den Patienten bedeutet die Gelenkversteifung eine langwierige Rekonvaleszenzzeit, die je nach Versteifungsverfahren zwischen drei und acht Monate betragen kann. Die weiteren Nachteile: - eine erhöhte mechanische Belastung der Nachbargelenke mit möglichen Verschleißfolgen (Arthrosen),
- ein nicht unerhebliches Pseudarthroserisiko (Falschgelenkbildung) bis zu 35%,
- eine nicht unerheblichen Infektionsraten zwischen 3 und 25%.
Oft haben die Patienten nach der Versteifung ein hölzernes Gangbild, das im Sprunggelenk nicht mehr korrigiert werden kann. Hier liegt ein entscheidender Vorteil der Sprunggelenksendoprothese: Sie ermöglicht dem Patienten eine wesentlich schnellere Remobilisierung mit Erhalt der Abrollvorgänge und Korrekturmöglichkeiten. Die Gelenkversteifung (Arthrodese)verbleibt als wertvolle therapeutische Alternative bei schweren Destruktionen mit knöchernen Substanzverlusten und Instabilitäten, sowie als Rückzugsmöglichkeit nach Fehlschlägen der Endoprothetik. Wir informieren unsere Patienten vor der Entscheidung – Kunstgelenk oder Versteifung- ausführlich über die Vor- und Nachteile beider therapeutischer Optionen. Dabei gilt die Gelenkversteifung keinesfalls mehr als "goldene Standard-Methode". Die prothetische Versorgung des oberen Sprunggelenks haben wir seit gut 20 Jahren neben der Gelenkversteifung in unserem therapeutischen Konzept. Seit 1984 haben wir 200 Sprunggelenksprothesen implantiert. Aktuell sind es ca. 30 Implantationen pro Jahr. Wann kann ein künstliches Sprunggelenk implantiert werden? Unsere Indikationen für die Sprunggelenksprothetik sind: 1.Schmerzhaft-entzündlich oder arthrotisch veränderte Sprunggelenke mit zumindest noch minimal erhaltener Gelenkfunktion. 2. Intakte Bandstabilität und gutes Knochenlager 3. O/X Achsabweichung unter 20° 4. Erhaltene Korrekturmöglichkeiten der Rückfußfehlstatik. 5. ausreichende Durchblutungsverhältnisse. Wie sind die Prothesen aufgebaut? Trotz aller Fortschritte in der Sprunggelenksendoprothetik sind viele Probleme noch nicht optimal gelöst. Unser Leitender Arzt Dr. Stefan Schill hat deshalb gemeinsam mit Prof. Dr. Stefan Rehart aus Frankfurt und Prof. Dr. Bernd Fink aus Mark Gröningen eine neue Prothese entwickelt. Die TARIC® Prothese ist eine zementfrei verankerte Drei-Komponentenprothese mit Kunststoff-Gleitkern. Die Prothesenkomponenten sind titanbeschichtet. Die beiden Gelenkpartner - Sprungbein und Unterschenkel mit der Knöchelgabel - werden bei der Operation mit Metallflächen überkront, dazwischen setzen wir den Kunststoffgleitkern ein. Erste Ergebnisse Wir überblicken jetzt in einer prospektiven Studie der Autorenkliniken die ersten 25 Implantate.Operiert wurden 17 Frauen und 8 Männer mit einem Durchschnittsalter von 61 Jahren. Es handelte sich in 13 Fällen um eine posttraumatische Arthrose und in 12 Fällen um eine entzündlich-rheumatische Grunderkrankung. Ermittelt wurde unter anderem, wie gut die Beweglichkeit ist, ob die Patienten noch Schmerzen haben, und ob die Prothese stabil im Gelenk ist. Die Erfahrungen sind sehr gut! 23 von 25 Patienten waren schmerzfrei, zwei klagten über leichte Anlaufschmerzen. Die operierten Sprunggelenke erreichten einen Bewegungsgewinn von 11 Grad, womit wieder eine weitgehend normale Beweglichkeit erreicht wurde. Die Röntgenkontrolle zeigte, dass alle Sprunggelenksprothesen stabil waren. Fazit: In den letzten 15 Jahren wurden entscheidende Fortschritte im Hinblick auf Design und Technik der Sprunggelenksprothetik erreicht. Die Endoprothese ist heute eine ernst zunehmende Alternative zur Arthrodese. Unsere Patienten können, nach einer gut implantierten Prothese, über 8-10 Jahre mit einer schmerzfreien Funktion des operierten Sprunggelenks rechnen. Trotz der einheitlich guten klinischen Ergebnisse mit den modernen Sprunggelenksimplantaten sind längst nicht alle Probleme gelöst. Basierend auf den Erfahrungen mit verschiedenen Prothesensystemen hat die Autorengruppe die TARIC® Prothese entwickelt. Die ersten Ergebnisse sind sehr viel versprechend und wir hoffen auch weiterhin über gleichwertige mittel- und langfristige Resultate berichten zu können. |